6. Für ein vielfältiges Kulturleben

Kultur macht eine Stadt spannend und lebendig. Im Wettbewerb der Regionen werden diejenigen Städte und Gemeinden wachsen und gedeihen, die Vielfalt, Weltoffenheit und Entfaltungsmöglichkeiten für ihre Bürger und Bürgerinnen bieten. Kreative Menschen werden von einem dynamischen Umfeld angezogen. Eine Stadt braucht die Kreativität ihrer Bewohner und Bewohnerinnen für ihr soziales und wirtschaftliches Wohlergehen. Denn nur dort, wo sich kreative Köpfe gerne ansiedeln, werden auch neue Arbeitsplätze entstehen. Daher ist uns GRÜNEN die kulturell attraktive und lebhafte Stadt sehr wichtig.

Mehr Kunst und Kultur in der Kulturstadt!

Aschaffenburg hat diesbezüglich viel zu bieten, aber noch werden nicht alle Möglichkeiten in vollem Umfang genutzt. Unser Bestreben ist es, Vielfalt und Unterschiedlichkeit zu fördern und zu ermöglichen.

Das kulturelle Erbe unserer Stadt ist uns GRÜNEN wichtig, genauso wichtig sind uns die kulturelle Gegenwart und Zukunft mit ihren breit gefächerten Ausdrucksformen und unterschiedlichen Zielgruppen. Wir begrüßen alle Bestrebungen und Ideen von Einzelnen und Gruppen, das Leben der Menschen mit Kunst und Kultur zu bereichern.

 

Ideenvielfalt fördern

Wir GRÜNE werden uns im Stadtrat dafür einsetzen, dass es künftig eine ausgewogenere Verteilung der finanziellen Mittel für Kultur geben wird. Wir fordern mehr Unterstützung für zeitgemäße Weiterentwicklung und Präsentation künstlerischer Ideenvielfalt. Dies wird nur gelingen, wenn wir kulturelle Leitbilder und transparente Förderungskriterien für private Kulturinitiativen und freie Träger erarbeiten, schnellstmöglich umsetzen und bestehende Netzwerke gemäß der neuen Kriterien überprüfen.

                   

Trennung von Schul- und Kultursenat

Um sich auf diese Aufgabe konzentrieren zu können und gleichzeitig dem Bereich Bildung einen höheren Stellenwert zukommen zu lassen, setzen wir uns für die Trennung von Kultur- und Schulsenat in einen Kultur- und einen eigenen Bildungssenat ein.

                   

Mehr Menschen ins Theater!

Wir GRÜNE begrüßen alle konzeptionellen Bemühungen, neue Ziel- und Altersgruppen für das Stadttheater zu begeistern. Wir setzen uns dafür ein, mehr Aschaffenburger mit spannenden Programmangeboten in unser Theater zu locken. Das Stadttheater, in dem erhebliche Mittel des Kulturetats gebunden sind, sollte auch das weltoffene kulturelle Zentrum für möglichst große Gruppen der Bevölkerung werden und sich somit inhaltlich öffnen mit dem Ziel, neue Besucher und Besucherinnen zu erreichen.

Mit unseren Anträgen haben wir in der vergangenen Legislatur erreicht, dass im Programm des Stadttheaters die sogenannten „Grenzgänge“ auf mindestens 25 Veranstaltungen pro Jahr erhöht wurden und somit vermehrt neue Veranstaltungsformate – insbesondere aus den Bereichen Jazz, Pop, Rock, Kabarett und Weltmusik – angeboten werden. Den Anteil werden wir noch ausbauen, um neue Ziel- und Altersgruppen fürs Stadttheater zu begeistern.

                   

Kulturelle Highlights für die Stadthalle

Die Entwicklung der Stadthalle hin zu einem reinen Vermietungsbetrieb mit programmlicher Beliebigkeit unter streng kommerziellen Sachzwängen genügt uns angesichts der hohen jährlichen öffentlichen Zuschüsse nicht. Wir GRÜNE fordern von der Verwaltung für die Stadthalle mehr programmliches Engagement und mehr kulturelle Highlights für unterschiedliche Interessensgruppen. Hierzu ist die Einstellung eines Kulturmanagers/Bookers innerhalb der Stadtverwaltung nötig, der mit ausreichend Gestaltungsfreiheit eigene städtische Veranstaltungen buchen beziehungsweise konzipieren kann und mit den Veranstaltungserlösen auch versucht, das jährliche Defizit zu verringern.

Außerdem muss es Mietmodelle geben, damit sich Aschaffenburger Vereine die Stadthalle wieder leisten können. Wir fordern für die Stadthalle ein Umdenken und eine neue Ausrichtung: Mehr Nutzen der Halle für die Bürgerschaft statt für kommerzielle Veranstalter! Mehr Kulturprogramm für Alle angesichts der hohen städtischen Zuschüsse!

 

Das Stadtmarketing stärken

Kritisch sehen wir GRÜNE die Gesamtentwicklung der Kongress- und Touristikbetriebe mit den drei defizitären Sparten Kongressbetrieb, Touristinfo und Veranstaltungsmanagement. Wir fordern eine Überprüfung der Aufgabenstellung dieser Verwaltungseinheit und eine entsprechende Neustrukturierung durch den Stadtrat. Kosten und Nutzen stehen unserer Ansicht nach nicht im Verhältnis. Das muss korrigiert werden.

Die zeitgemäße Eigenvermarktung unserer lebendigen Stadt mit all ihren Facetten gelingt bislang nur bedingt. Das Personal und der Etat für das Stadtmarketing beziehungsweise das City-Management müssen aufgestockt werden.

 

Jugend- und Alternativkultur konsequent fördern

Wir GRÜNE begrüßen die kulturelle Entwicklung des Jukuz und anderer Jugendtreffs – und fordern ein noch höheres finanzielles und personelles Engagement der Stadt für die Jugendkulturarbeit sowie für alternativ und subkulturelle Initiativen. Junge Menschen müssen Räume erhalten, die es möglich machen, sich abseits von Schule und Elternhaus zu entfalten und kreative Ideen umzusetzen. Jugendliche Selbstverwirklichung und kulturelle Vielfalt sind wichtig und sollten nicht von Unverständnis und Ausgrenzung gebremst werden.

Aschaffenburg ist am Wochenende der Treffpunkt von jungen Menschen aus dem gesamten Umland. Mehr Veranstaltungen und konkrete Angebote für die jungen Leute fördern das harmonische Miteinander sowie das gegenseitige Kennenlernen unterschiedlicher Lebensstile, Nationalitäten und kultureller Interessen. Mehr Angebote führen zu sinnhaltigen und emotionsreichen Alternativen für Altersgruppen, die angesichts des Jugendschutzgesetzes sonst nur die Straße als legale Treffpunkte haben – mit allen bekannten unangenehmen Begleiterscheinungen.

Ein einfaches Alkoholverbot im öffentlichen Raum nach 22 Uhr ist für uns nicht die Lösung, sondern verlagert bestehende Probleme lediglich in andere Stadtgebiete. Wir brauchen eine örtliche Debatte über Jugendschutz und elterliche Fürsorgepflichten.

Das Angebot von kommunalen Probe- und Übungsräumen für Jugendliche sollte im Sinne einer jugendfördernden Infrastruktur dringend erweitert werden.

Wir GRÜNE arbeiten für eine verbesserte Zusammenarbeit der kommunalen Kulturanbieter und -anbieterinnen mit allen kreativen Privatinitiativen, die sich für ein möglichst buntes und spannendes Programmangebot einsetzen. Die Verwaltung soll Eventmöglichkeiten suchen, statt sie zu verhindern. Veranstaltungen für ein junges Publikum mit neuen Formaten wie „Unten Am Fluss“ sollten begrüßt statt behindert werden. Der Stadtrat ist bei allen Entscheidungen hierbei einzubeziehen.

 

Vorsicht bei der Museumsmeile!

Wir GRÜNE sind nur dann für eine Erweiterung der Aschaffenburger Museumsmeile, wenn die dazu notwendigen Finanzmittel nicht zu Lasten anderer Bereiche der Kultur gehen. Die hohen Millionenkosten für die angedachte Erweiterung der Aschaffenburger Museumslandschaft sowie die noch nicht berechneten Folgekosten, die in den nächsten Jahrzehnten hierfür anstehen, machen uns Sorgen. Wir sind für mehr Bürgerbeteiligung und sorgfältiges Abwägen von Ausgaben und Nutzen in dieser Frage. Ein neues Museumsdepot begrüßen wir.

 

Städtepartnerschaften: Wir sind Europa

Europäische Städtepartnerschaften weiten den Blick, bringen Menschen einander näher, lassen über Grenzen hinweg Freundschaften und gemeinsame Projekte entstehen. Gerade die kulturelle Vielfalt Europas gilt es zu pflegen. Die Stadt Aschaffenburg unterhält seit 1956 Städtepartnerschaften mit dem schottischen Perth, seit 1975 mit dem französischen Saint-Germain-en-Laye und seit 1996 mit dem ungarischen Miskolc.

Um den europäischen Gedanken mit Leben zu füllen, wünschen wir GRÜNEN uns ein „Fest der Sinne“ gemeinsam mit unseren Partnern aus Schottland, Frankreich und Ungarn. Als Ersatz für den immer gleichen Fischmarkt mit seinem altbekannten Unterhaltungsprogramm wollen wir ein Fest mit regionalen Produkten – von der Spessartforelle bis zu Wein und Hopfengetränken – und mit fair gehandelten Waren auf die Beine stellen. Natürlich mit unseren heimischen Produzenten und Gastronomen. Internationales Flair und internationalen Genuss könnten unsere europäischen Freunde beisteuern. Nicht zu vergessen: In und um Aschaffenburg gibt es eine Menge toller Künstler. Um ein buntes Unterhaltungs- und Kulturprogramm für Jung und Alt muss es also niemandem bange sein.